Hier also der erste, der mysteriösen Briefe
Berlin, 26.5.2010
Sehr geehrter Traumperlentaucher
Ich weiss, dass Sie nicht viel von Politikern halten. Ich kann Ihnen das nicht einmal verübeln. Unser Bundesnachrichtendienst ist schon vor längerer Zeit auf Ihre kritischen und, wie wir finden, staatszersetzenden Blogs aufmerksam geworden. Sie lassen keinen guten Faden an unserer Berufszunft. Dabei sind wir die einzigen, welche unsere Arbeit noch aus Berufung machen. O.k. ein wenig Machtgier ist schon dabei, aber wenn man den Ärger anschaut, den man sich als Politiker ins Haus holt, ist das Bisschen Macht ein Hohn. Und der Lohn ist geradezu lächerlich tief.
Sie wissen ja gar nicht, wie das ist, wenn man, wie ich, von Helmut sozusagen ohne Schwimmkurs in das Haifischbecken geworfen wird. Die Artistinnen in Seaworld sind frisch geschminkt und tragen sexy Taucheranzüge, wenn sie mit den grossen Fischen schwimmen. Ich hatte nicht mal Zeit zum Friseur zu gehen. Und meine Hosenanzüge kaufe ich immer noch in einem ehemaligen volkseigenen Betrieb, der seit der Wende dreimal privatisiert und anschliessend wieder verstaatlicht wurde. Für Anzüge von Brioni, wie sie Gerhard noch tragen konnte, reicht heute der Staatshaushalt schlicht nicht mehr. Eigentlich hätte er auch schon vor 10 Jahren nicht mehr gereicht, aber scheinbar fanden unsere Vorgänger immer wieder neue Kreditquellen. Irgendwie werde ich den Verdacht nicht los, dass die Sozis die wahren Verschwender und Geniesser sind.
Ich habe die Volkwirtschaftslehre ohnehin nie verstanden. Ich weiss nicht, warum, aber es kommt mir manchmal vor, als ob das Ganze ein übler Taschenspielertrick ist. Nun ja, in den Naturwissenschaften, aus denen ich komme, gilt bekanntlich: Von nix kommt nix. Und in der DDR war eh alles knapp.
Das scheint allerdings in der Wirtschaft nicht zu gelten. Fiat Money und so. Zuerst haben mir meine Berater gesagt, dass es für die Wirtschaft gut ist, wenn man noch fahrbare Autos verschrottet, durch neue ersetzt und den Käufern noch ein schönes Geschenk macht. Meine sparsame DDR Seele blutet noch immer bei dem Gedanken. Später haben mir die gleichen Berater gesagt, dass wir die Steuern erhöhen müssten, damit wir das Loch stopfen können, welches durch die Verschrottungsprämie entstanden ist.
Und vor einigen Tagen haben mir die Berater nahe gelegt, dass es gut wäre Griechenland in der Schuldenkrise zu unterstützen, da das Geld ja letztlich wieder zu den deutschen Landesbanken zurück fliesst, welche ihrerseits ohnehin zum grossen Teil im Staatsbesitz sind. Und ausgerechnet jetzt kommt Ihr Landsmann Joe, zu dem ich bis dato ein recht gutes Einvernehmen hatte und behauptet, dass wir von den Eulen bzw. vom Geld, welches wir nach Athen tragen nie mehr einen müden Cent sehen werden. Und überhaupt, warum könnt Ihr Schweizer nicht einfach Schulden machen wie jedes andere Land. Bald könnt Ihr der EU beitreten und seid trotzdem wieder alleine, weil alle anderen Länder wegen Überschuldung ausgetreten sind.
Apropos Schulden: Hat in Ihrem Land noch jemand Geld? Ich sollte mal wieder etwas für meine Wähler tun, bevor sie mir zu den linken Parteien davonlaufen.. So um die fünfhundert Euro pro Wähler sollten reichen um die Leute vorerst bei der Stange zu halten. Ja, die Deutschen sind bescheiden geworden. Wir zahlen es Euch auch bestimmt zurück Mit Zinsen natürlich. Mit ein paar zusätzlichen Prozenten Mehrwertsteuer und einer Reichensteuer sollten wir das hinkriegen. Ich wäre also für eine diskrete Adresse dankbar, die mir in dieser Angelegenheit weiterhelfen könnte.
Also, Herr Traumperlentaucher, Sie sehen, dass ich ziemlich in der Klemme bin.
Hochachtungsvoll
Angela
