Archiv der Kategorie: Armin

Mit Melvin bei Armin

Wir trafen uns in der Kantine. Ein Raum, so schien es mir, der nicht in diese Welt gehörte. Schon die Akustik war sonderbar. Da war zum Beispiel dieses Murmeln in der Luft. Armin hatte mir zwar erklärt, das liege an der defekten Lautsprecheranlage, aber ich glaubte ihm nicht. Auch die ganze Einrichtung schien nichts mit der Wirklichkeit zu tun zu haben. Die Tischbeine glänzten seltsam und die Bilder an den Wänden schienen sich zu bewegen. „Das liegt daran, dass sie von den Patienten gemalt wurden“, hatte mir Armin erläutert. Vielleicht hatte er ja recht und die Andersartigkeit der Kantine lag an ihren Benutzern.

Wir saßen also in der Kantine des Sanatoriums und Melvin und Armin kamen sofort miteinander ins Gespräch. Ich konnte dabei bloß stiller Zuhörer sein, denn der Sinn ihrer Worte blieb mir verborgen und trug ein Weiteres zu der Fremdartigkeit dieses Ortes bei.

„…je näher man der Wahrheit kommt, desto zähflüssiger werden die Gedanken“, hörte ich Melvin sagen und betrachtete dabei die Tischbeine. Sie wechselten im Licht der Leuchtstoffröhren ihre Farbe wie Chamäleons.

„Kurz vor der Entdeckung stehen sie ganz still“, entgegnete Armin.

„Ja, und dann bleibt dir nichts anders übrig, als den ganzen Weg zurück zu gehen um nochmals zu beginnen.“

„Um sich wiederum in den unzähligen Möglichkeiten zu verirren, die sie zur Täuschung ausgelegt hat.“

„Doch nirgendwo kommst du ihr so nahe wie im Traum“, sagte Melvin. „Doch leider darfst du sie bloß küssen und nicht mitnehmen. Zurück in der Wirklichkeit bleibt dir nur der Geschmack ihrer Lippen, ihre Botschaft hast du vergessen.“

„Nicht vergessen, du hast sie drüben gelassen. Denn hättest du sie nur vergessen, wäre sie noch in dir und es könnte dir eines Tages gelingen, zu ihr vorzudringen.“

„Das sehe ich anders“, erklärte Melvin. „Wer von ihr geküsst wurde, trägt den Abdruck ihrer Botschaft.“

„Ihr habt dieselbe Frau getroffen?“, mischte ich mich in ihr Gespräch.

Die Beiden starrten mich verständnislos an. An der Wand gegenüber wackelte ein Bild: Eine Frau, die durch eine Nebellandschaft wanderte.

„Auch du bist ihr sicher schon begegnet. Sie hält die Welt zusammen“, sagte Armin.

„Dann ist Gott eine Frau?“, stellte ich erstaunt fest. Aber ich hätte lieber geschwiegen. Die beiden grinsten sich an.

„Es gibt keine Götter“, erklärte Melvin.

„Nur Götzen“, ergänzte Armin.

„Sie lieben nicht die Menschen, sie lieben sich selbst.“

„Und sie kämpfen um die Vorherrschaft.“

„Doch nur im Hier und Jetzt. Bist du einmal tot, bist du ihnen entwischt.“

Mir schwirrte der Kopf. Auf den Tischbeinen spiegelte sich das Bild der Frau im Nebel.

„Die Wahrheit wartet auf dich nach dem unendlichen Schlaf am Ende der Zeit“, erklärte Armin.

„Doch wenn du aufwachst, scheint es dir, du seist gerade eingeschlafen“, fügte Melvin an.

„Die Götzen unserer Zeit sind dann längst vergangen, genauso wie das Universum, in dem sie einst existierten.“

Meschugge, dachte ich und schaute zu dem Bild mit der Frau im Nebel. Doch an ihrer Stelle hing nun ein anders Bild: ein Bett in einem verwilderten Garten. Darin lag ein Kind und schlief.

Euer Traumperlentaucher

Gespräch mit einem Tumor

Als ich letzthin Armin besuchte, war er müde und „durchsichtig“. Offensichtlich ging es ihm nicht gut. Darauf angesprochen antwortete er:

„Ich bin nicht mehr allein. Ein Tumor hat sich in meinem Kopf eingenistet und er macht mir zu schaffen.“

Ich war entsetzt. „Um Himmels Willen Armin, dann musst du sofort in die Klinik, musst operiert und therapiert werden. Wieso bist du überhaupt noch hier im Sanatorium? Die können dir hier nicht helfen.“

„Das ist auch nicht nötig. Ich komme schon alleine zurecht. Ich versuche, mich mit ihm zu arrangieren.“

Das kam mir seltsam vor und ich begann zu überlegen: Wenn ein Arzt bei ihm einen Gehirntumor diagnostiziert hätte, wäre er dann nicht schon lange in der Klinik?

„Was sagt dein Arzt dazu?“, sondierte ich.

„Nichts, er weiß es nicht.“

„Wer zum …. hat denn die Diagnose gestellt?“

„Ich selbst.“

„Aber du bist doch kein Arzt. Oder hast du dich etwa selbst geröntgt?“ Zuzutrauen wäre es ihm, dachte ich. Armin war ein begnadeter Tüftler.

Er lächelte. „Mit Röntgen kriegst du das nicht raus, da musst du schon in die Röhre. Aber ich habe weder das eine noch das andere getan. Ich spüre ihn.“

Vielleicht, sagte ich mir, bildete er sich das nur ein.

„Was jetzt, Armin? Was willst du dagegen tun?“

„Ich spreche mit ihm.“

„Du sprichst mit deinem Tumor? Das ist doch verrückt.“

„Er ist zwar ein Parasit, aber genauso ein Lebewesen wie du und ich.“

„Aber das Ding ist nicht intelligent, es ist ein entarteter Teil von dir selbst!“

„Was weißt du schon über Tumore.“

Ich resignierte. „Und? Hat er dir geantwortet?“

„Ja, natürlich, aber es ist ein schwieriger Dialog.“

„Das kann ich mir vorstellen.“

„Du musst verstehen, dass er in einer anderen Welt zuhause ist.“

„Ja, in deinem Kopf.“

„Sei bitte nicht zynisch. Mein Mitbewohner scheint langsam zu begreifen, dass unser Schicksal ein gemeinsames ist. Wenn er weiter wächst, sterben wir zusammen.“

Mir wurde schlecht. Wenn Armin starb, würde ich meinen besten Freund verlieren. Ich beschloss, mich heimlich mit der Leitung des Sanatoriums in Verbindung zu setzen.

Als ich mit der Direktorin darüber sprach, sagte sie:

„Armin hat keinen Tumor, das haben wir geprüft. Er bildet sich den nur ein.“

Doch auf der Heimfahrt fragte ich mich, wie sie das geprüft hatte. Hatte sie Armin untersuchen lassen, oder hatte sie nur mit ihm gesprochen? Möglich wäre es. Manchmal habe ich den Eindruck, das Personal sei verrückter als die Patienten.

Man muss nicht krank sein, um mit sich selbst zu sprechen und ins Reine zu kommen. Euer Traumperlentaucher

Armins Suche nach dem Göttlichen

Als ich kürzlich Armin besuchte, traf es mich wie der Blitz aus heiterem Himmel. Mein Freund war schlagartig gealtert. Das Gesicht voller Runzeln, die Haare weiß.

„Armin, was ist mit dir geschehen?“, fragte ich entsetzt.

Er lächelte und seine Augen funkelten. Ein gutes Zeichen. Zu oft habe ich in stumpfe Augen sehen müssen, wenn mit dem Alter der Geist Abschied nahm. Bei Armin war das nicht der Fall. Da war ich mir sicher. Die Augen sind der Spiegel der Seele.

„Das siehst du selbst. Ich bin älter geworden.“

„Um Jahre in wenigen Wochen?“ Ich dachte unwillkürlich an die Medikamente, die ihm hier im Sanatorium verabreicht wurden.

„Das Alter kommt manchmal auf leisen Sohlen, aber oft auch wie der geölte Blitz. Dann wird man in kurzer Zeit um Jahre älter. Die Zeit läuft eben nicht für alle gleich. Manch einem gelingt es, die Zeit anzuhalten. Doch nicht für die Ewigkeit. Wenn man sie dann wieder loslassen muss, verliert man, was dazwischen lag.“

„Du sprichst in Rätseln. Ich hege den Verdacht, dass es vielmehr die Medikamente sind, die dich um Jahre altern ließen.“

Armin winkte ab. „Ich erhalte schon lange keine mehr.“

„Aber du bist doch einiges jünger als ich“, entfuhr es mir.

„Hast du dich letztlich im Spiegel betrachtet? Auch du bist älter geworden.“

„Aber…“

„…vielleicht hast du nie den richtigen Armin in mir gesehen. Vielleicht hast du ein Bild von mir projiziert, das nie stimmte. Unsere Augen betrügen uns nur allzu gerne. Nicht nur bei Frauen, auch bei Freunden.“

„Da magst du Recht haben. Wir sehen, was wir sehen wollen.“

„Schlimmer noch. Es gibt Dinge, die wir gar nicht sehen, obschon sie vor unseren Augen geschehen. Wir können nur das wahrnehmen, was in unser Muster passt. Darum sehen wir das Göttliche nicht.“

„Jetzt bist du auch noch religiös geworden? Du weißt so gut wie ich, dass nicht Gott den Menschen erschaffen hat, sondern der Mensch Gott.“

Er schaute aus dem Fenster seines Zimmers in den Park, als suchte er dort etwas. Dann wandte er mir wieder den Blick zu. Seine Augen schienen durch mich hindurch zu sehen.

„Ja, mein Traumperlentaucher, den Gott der Pfaffen und Eiferer gibt es wahrscheinlich nicht. Und wenn es ihn gibt, so möchte ich ihm nicht begegnen. Das heißt aber nicht, dass es nichts Göttliches im Universum gibt. Im Gegenteil: das Göttliche ist überall. Es ist da draußen im Park, es ist in dir und in mir…“

Eine Sekte! Schoss es mir durch den Kopf. Armin war in eine Sekte geraten!

„…und es ist auch in unseren Träumen. Wir müssen uns dem Göttlichen öffnen, dann spüren wir es…“

Ich klapperte im Geiste alle Sekten ab, die ich kannte. Zu welchem „Verein“ passten Armins Gedanken? Wer hatte sein Gehirn gewaschen?

„…es ist im Guten wie im Bösen, es ist allgegenwärtig.“

Satanisten? Sonnentempler? Davidianer?

„Wie kann das Göttliche im Bösen sein?“, widersprach ich.

„Weil das Böse nichts anderes ist, als das entartete Gute.“

Mit dieser kauzigen Philosophie konnte ich nichts anfangen. Ich verabschiedete mich nachdenklich und zutiefst beunruhigt von meinem Freund.

„Du bist in deiner dualen Welt gefangen“, rief mir Armin nach, als ich den Korridor entlang ging. „Mögen die Träume gut zu dir sein.“

Jetzt ist er vollends übergeschnappt, dachte ich.

Vielleicht legt die Wahrheit auch im Verrückten Spuren? Euer Traumperlentaucher

“Die Sehnsucht an meiner Tür”

Letztes Wochenende war ich wieder zu Besuch bei Armin. Und natürlich drehte sich unsere Gespräch um das einzige Thema, das ihn zurzeit interessiert.

„Wenn der Tod nicht endgültig wäre, so hätte sich längst einer aus dem Jenseits gemeldet“, sagte ich nach längerer Diskussion. Ich war das Thema leid und wollte abschließen. Doch dann nahm unser Gespräch eine überraschende Wendung.

„Vielleicht schon, doch könnten wir die Botschaft begreifen? Könnten wir verstehen, wir die Gefangenen unserer Welt. Ich denke nicht. Was nicht in unsere Welt passt, das können wir nicht wahrnehmen.“

„Trotzdem: Keiner ist je zurückgekommen“, beharrte ich.

„Viele kommen zurück, aber wissen nichts davon.“

„Du glaubst an die Wiedergeburt? Weißt du von deinem früheren Leben?“

„Ja, in meinem früheren Leben fuhr ich zur See.“

„Was weißt du noch darüber? Was hast du erlebt? Wie bist du gestorben?“

„Ich will es gar nicht wissen.“

„Du willst es nicht wissen? Wieso?“

„Ich würde unter dem Wissen leiden.“

„Das verstehe ich nicht.“

„Ich spüre die Sehnsucht an meiner Tür.“

„Es ist die Liebe, die dich durch Raum und Zeit verfolgt, nicht wahr? Aber wenn es die Wiedergeburt tatsächlich gäbe, würden wir uns nicht immer wieder begegnen?“

„Ja, und genau davor habe ich Angst.“

„Das wäre doch eine einmalige Chance. Stell dir vor, ihr könntet euch zu zweit wieder erinnern? Wieso hast du Angst davor?“

„Es hat seinen guten Grund, wieso uns hier die Erinnerung an früher verborgen bleibt. Es gibt Türen, die man nicht öffnen darf.“

„Weil wir dann die Wahrheit erkennen würden?“

„Nein, weil wir damit Raum und Zeit durcheinanderbringen würden. Das würde uns in den Abgrund der unendlichen Möglichkeiten stoßen, aus dem wir nicht mehr entrinnen könnten.“

Armin liebt es, in Rätseln zu sprechen. Damit wird er meinem Gesichtslosen immer ähnlicher. Ob zwischen den beiden ein Bezug besteht? Euer Traumperlentaucher

Die Vorbereitung geschieht hier

„Der Tod ist das einzige verbleibende Abenteuer, das mich noch reizt.“ Armins Augen glühten wie im Fieber. Ich war fassungslos.

„Das ist doch verrückt. Es gibt doch so viele schöne Dinge auf dieser Welt, so vieles, das zu erleben sich lohnt. Du stehst doch erst am Anfang deiner Träume!“

„Mag sein, doch dieser Traum hier geht zu Ende.“

Ich war entsetzt. Solch expliziten Todesgedanken war ich bei Armin noch nie begegnet. Was hatte das Sanatorium aus ihm gemacht? Ich musste ihn hier rausholen – so schnell wie möglich.

„Ich sehe Angst in deinem Gesicht. Aber du brauchst keine Angst zu haben, nur weil du den Weg nach der letzten Grenze nicht kennst.“

„Kennst du ihn denn? Weißt du, was dich dort drüben erwartet?“

„Nein, viele glauben es zwar zu wissen, doch die Wahrheit kennt niemand. Vermutlich würden wir sie gar nicht verstehen, auch wenn wir sie kennen würden.“

„Du gibst leichtfertig dein Leben auf, Armin. Wieso?“

„Du irrst dich, ich denke nicht an Suizid. Ich kann warten.“

„Warten auf den Tod? Du willst dich einfach hinsetzen und warten? Ist es das was du willst? Hier im Sanatorium ausharren bis an dein Lebensende?“

Schon bei meinen letzten Besuchen hatte ich bemerkt, wie er sich verändert hatte. Er war nicht mehr der Armin, den ich kannte. Ob die Medikamente daran schuld waren, die sie ihm gaben?

„Genieße das Leben, Armin. Jetzt und hier. Du weißt nicht was drüben ist, ja, du weißt nicht einmal, ob ein Drüben existiert.“

Er lächelte.

„Gott existiert wahrscheinlich nicht, genießt das Leben. Die Parole der Atheisten. Welch verlogenes Gedankengebäude! Wenn uns drüben der ewige Schlaf erwartet, spielt es keine Rolle, was wir hier in diesem Leben tun. Ob wir es genießen, Kriege führen, Kunstwerke erschaffen, oder unsere Existenz gleich beenden – es ist egal. Es hat keine Konsequenzen.“

„Nein Armin“, wandte ich ein. „Es hat sehr wohl Konsequenzen. Nämlich für die, die nach uns kommen, für den Fortbestand der Menschheit.“

„Wenn uns das unendliche Nichts erwartet, spielt es keine Rolle, wie lange die Menschheit fortbesteht und unter welchen Bedingungen. Dann ist es nur ein Augenzwinkern in den Hallen der Ewigkeit – ohne Bedeutung und ohne Folgen.“

Was war bloß in ihn gefahren? Das war Fatalismus pur! Nur Medikamente konnten diesen Zustand bewirkt haben, da war ich mir sicher. Doch er hatte etwas Entscheidendes übersehen:

„Wenn du nicht weißt, was dich erwartet, so solltest du alles erwarten. Und du solltest dich auf alles vorbereiten. Wenn uns drüben der ewige Schlaf erwartet, so ist es tatsächlich egal. Doch gibt es noch unendlich viele andere Möglichkeiten. Von der Verschmelzung mit dem großen Ganzen, über die ewige Seelenreise, bis zu Gott und Teufel. Und die müssen keineswegs die Eigenschaften besitzen, an die wir gerne glauben möchten.“

Armin grinste spitzbübisch, und ich begann zu ahnen, dass ich wieder einmal in seine Falle getappt war.

„Welche Fähigkeiten nützen dir denn drüben? Ein Handwerk, eine Karriere als Banker, Polizist oder Gangster? Wenn es, wie du sagst, unendlich viele Möglichkeiten gibt, so können wir uns gar nicht auf alle Eventualitäten vorbereiten.“

„Nein, Armin, das können wir nicht. Aber wir sollten versuchen, so viel von dem mitzunehmen, was uns zu Menschen macht.“

„Machtstreben und Gier?“

„Nein, Liebe und Güte und die Fähigkeit zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Ich denke, dass uns diese Fähigkeiten auf der anderen Seite nützen werden, gleich wie das Drüben auch aussehen wird.“

Es ist Ferienzeit. Schickt eure Träume auf Reisen. Euer Traumperlentaucher

Auf Besuch bei Armin

„Was Gott schuf, darf der Mensch nicht verbieten“, sagte Armin und sog genüsslich an seinem Joint.

„Bist du verrückt“, fragte ich ihn und schaute mich verstohlen um. Wir befanden uns in der Kantine des Sanatoriums und ich erwartete jederzeit hereinstürmende Weißkittel. Doch es blieb ruhig, keiner schenkte uns Beachtung.

„Wer schon nicht?“, fragte Armin zurück. „Wer nicht ein wenig verrückt ist, ist nicht normal.“

„Das mag ja hier im Sanatorium gelten, doch draußen herrschen andere Regeln.“

„Ja, ja, ich weiß, zum Beispiel „Wer spinnt gewinnt“, man braucht ja nur Zeitung zu lesen oder Nachrichten zu hören.“

„Armin“, sagte ich leise, „mach jetzt endlich dieses Ding aus. Sonst werden sie dich holen kommen. Außerdem ist hier das Rauchen sowieso verboten.“ Ich deutete auf ein Schild an der Wand.

„Keine Sorge, letzte Woche haben sie das Personal reduziert. Da kommt niemand.“

„Niemand? Das ist ja Anarchie!“

Armin lachte. „Wenn einer raucht und es kommt niemand, herrscht Anarchie? Köstlich! Ihr habt es weit gebracht, dort draußen.“

„Ohne Regeln funktioniert das Zusammenleben nicht, das solltest du doch wissen. Heutzutage genügen die zwölf Gebote nicht mehr, es gibt bereits zu viele Menschen.“

Armin nahm einen letzten Zug, dann drückte er den Stummel in einem aus Alufolie improvisierten Aschenbecher aus. „Du meinst, die Regeldichte müsse proportional zur Populationsdichte sein? Das ist nicht zwingend. Nehmen wir zum Beispiel ein mittleres Unternehmen. Aus meiner Erfahrung kann ich dir sagen: Je kleiner die Verwaltung, desto größer das Geschäft.“

„Das hat was“, musste ich zugegeben.

„Natürlich hat das was! Darum sind reine Verwaltungen auch nie ein Geschäft!“

Heute war Armin nicht beizukommen. Und was Unternehmen anbelangte, hatte er sowieso seine eigenen Vorstellungen.

„Ohne Regeln geht es nicht“, murrte ich. Er lächelte.

„Eine Wahrheit reicht nicht, um alle Aspekte der Wirklichkeit zu umschreiben.“

„Es gibt immer nur eine einzige Wahrheit.“

„Ach was! Tu nicht, als wüsstest du das nicht besser. Sogar in der Physik reicht eine Wahrheit nicht aus. Denk nur an die Heisenbergsche Unschärferelation.

Ich winkte ab.

„Ich bin nicht gekommen, um mit dir über Physik zu diskutieren, Armin. Ich wollte sehen, wie es dir geht und wann du endlich wieder nach Hause kommst.“

„Ich bin zuhause.“

„Hier? Das nennst du ein Zuhause?“

„Hier drin bin ich zuhause“, sagte er und klopfte sich an die Brust. „Mehr Zuhause brauche ich nicht.“

„Dann hast du dich in deine kleine eigene Welt zurückgezogen?“

„Zurückgezogen ja, doch klein ist meine Welt nicht. Im Gegenteil: sie ist unendlich groß. Voller Mysterien, Abenteuer und Geheimnisse.“

„Was ist bloß aus dir geworden, mein Freund?“

Er schaute mich ernst an und erwiderte:

„Was ist aus dir geworden, dass du mich nicht mehr begreifst?“

Ob es an den Träumen liegt? Euer Traumperlentaucher

Best- und andere Seller

Während ich im Paradies weilte, um Zigaretten zu holen, habe ich „die Arena“ von Stephen King gelesen. Das hätte ich nicht tun sollen.

Stephen schreibt zwar ungemein spannend und einmal angefangen, kann man nicht aufhören sein Buch fertig zu lesen. Notabene ein Wälzer mit über 1200 Seiten. Er ist ein brillanter Schriftsteller, der alle Regeln der Kunst beherrscht.

Doch seine „Arena“ fand ich schrecklich. Eine Aneinanderreihung von menschlichen Abgründen, ein Kabinett des Schreckens. Er liebt es offensichtlich, seine Figuren reihenweise abzumurksen und seine Fantasie kennt dabei keine Grenzen. Mir graut vor dem Geist, der dahinter steckt.

Ich werde nie mehr ein Buch von ihm lesen, auch wenn er einer der meist gelesenen Autoren ist. Genauso wenig wie ich nie mehr ein Buch von Dan Brown lesen werde, einem anderen amerikanischen Bestseller-Autor, der unter anderem den „Da Vinci Code“ geschrieben hat. Auch er ist ein blutrünstiger Kerl und liebt es seine Figuren zu quälen. Dazu schreibt er noch extrem langfädig.

Ich will mich nicht mit diesen Koryphäen des Metiers messen, denn schliesslich zählt, wie überall, der Erfolg. Und die Geschichten, die ich schreibe, sind meilenweite davon entfernt. Sie verkaufen sich bloss in homöopathischen Dosen.

Das wird wohl auch mit meinem letzten Werk „Affenhirn“ so sein, das gerade erschienen ist. Eine Geschichte, die ich  einfach schreiben musste, denn schliesslich ist sie Armins Geschichte und ich hatte es ihm versprochen. Darin wird von einer Episode aus seinem Leben berichtet, in der er innerhalb drei Wochen vom Vagabunden zum Direktor geworden ist – und zurück. Das alles, wie könnte es bei Armin anders sein, unter äusserst dubiosen Umständen. Vermutlich war es nur einer seiner Träume. Doch das spielt keine Rolle. Das ganze Leben ist ja nichts anderes als ein Traum.

Lasst euch nicht zum Affen machen. Euer Traumperlentaucher

Ein Gefühl der Unwirklichkeit

Armin zu besuchen fällt mir immer schwerer. Ich spüre, wie mich seine Welt in ihren Bann zieht und jedes Mal wenn ich nach Hause fahre, überkommt mich ein Gefühl der Unwirklichkeit.

Armin war und ist ein großer Träumer und er hat sein Leben mehr geträumt als wirklich gelebt. Manchmal deckte sich sein Traum mit der Wirklichkeit, doch oft wandelte er jenseits aller Grenzen in einer Welt, die den meisten von uns verborgen bleibt.

Das Sanatorium, hoffte er, würde ihm als letzte Zufluchtsstätte dienen. Dieses Haus auf der Grenze zwischen scheinbar Verrücktem und dem, was wir als Wirklichkeit betrachten, würde ihm Schutz und Geborgenheit bieten. Ich frage mich, ob er sich nicht geirrt hat.

Ich habe ihn oft besucht, dort oben in den Bergen und jedes Mal schien er mir ein wenig mehr entrückt. Bei einem meiner letzten Besuche, sagte er zu mir:

„Weißt du, mein Freund, die ganze Welt ist ein Irrenhaus. Die Menschen rennen ihren Illusionen nach, getrieben von ihren Emotionen, ihren Träumen und ihren Ängsten. Sie glauben, was ihnen eingeflüstert wird und denken, es sei die Wirklichkeit.“

Und als er mich bat, seine Geschichten aufzuschreiben, weil er nicht mehr dazu in der Lage sei, sagte er:

„Wenn ich sie eines Tages lesen werde, werde ich sehen können, dass ich wirklich gelebt habe, dass es diesen Armin gegeben hat und ich nicht nur von ihm geträumt habe.“

„Du zweifelst an deiner Existenz?“, fragte ich ihn.

„Gewisse Dinge kann man erst sehen, wenn man weiß, dass sie existieren. Andere Dinge wiederum sieht man, wenn man an sie glaubt, oder wenn der Wunsch, sie zu sehen, übermächtig wird. In der Wirklichkeit nennen wir es Halluzination, im Traum ist es der Normalzustand. Ich träume, also bin ich.“

„Du drückst dich um eine klare Antwort, Armin!“

„Es gibt immer wieder Menschen, die behaupten, sie würden nur glauben, was sie sehen. Und da sie sich morgens im Spiegel sehen, glauben sie an ihre Existenz. Aber die meisten glauben alles Mögliche, ohne es je gesehen zu haben – meistens weil es ihnen in den Kram passt. Sie nennen es dann Wahrheit. Ich gehöre zu keinen von beiden.“

„Hast du denn nicht auch deine eigene Wahrheit?“

„Wir haben alle unsere Wahrheiten. Dinge und Geschichten, von denen wir glauben, dass sie existieren. Unsere Welt setzt sich aus unzähligen Wahrheiten zusammen. Wir glauben, was in der Zeitung steht, aus dem Flimmerkasten quillt oder von der Kanzel verkündet wird. Wir glauben, was uns die Wissenschaft lehrt, wir glauben was in Büchern steht, besonders wenn sie steinalt sind, und wir glauben was wir glauben wollen. Unsere Wahrheiten bestehen aus Glaubenssätzen. Würde unsere Welt nicht aus Wahrheiten gebaut sein, sie würde zerrinnen wie eine Sandburg. Manch einem passiert das auch und er landet dann im Sanatorium, wie ich. Oder er hält es nicht mehr aus und bringt sich um.“

„Ich hoffe nicht, dass du diesen Gedanken hegst.“ Ich war beunruhigt.

„Wenn die Wahrheiten verschwinden, wird die Wirklichkeit zur Unwirklichkeit. Unsere Gedankenwelt zerfließt und unser Ich treibt dann verloren im Fluss des Lebens – ohne Bezugspunkt, an den es sich klammern kann. Die Wahrheiten, vorher wie Leuchttürme oder wie Rettungsringe, erscheinen dann als Irrlichter über dem Fluss, ungreifbar und unbegreifbar.“

„In diesem Augenblick ist doch die Gefahr sehr groß, im Fluss des Lebens zu ertrinken. Wie willst du dich über Wasser halten?“

„In der Tat ist die Gefahr groß, sich dem Wasser hinzugeben, das Schwimmen einzustellen und einfach dem ungewissen Grund entgegenzusinken. Ohne Wahrheit scheint alles verloren und sinnlos. Viele versinken denn auch in Agonie und lassen sich treiben. Sie verwelken im Sanatorium oder fallen Fischern in Roben oder Raubfischen in Nadelstreifen anheim. Doch einige erkennen, dass sie keine Leuchtfeuer, keine Bojen und keine Rettungsringe benötigen. Sie begreifen, dass sie die Wahrheit in sich selbst tragen. Die einzige Wahrheit, die wirklich zählt und die ihnen auch in den dunkelsten Stunden den Weg weist.“

Ich hoffe sehr, dass Armin zu dieser Gruppe gehört. Doch welche Wahrheit glaubt er, in sich zu tragen? Ich fragte ihn danach.

„Wir sind, wer wir sind, aus Sternenstaub geboren und Teil des Ganzen. Unsere Aufgabe ist es, den Zweig des Lebens für einen Augenblick zu tragen, um eines Tages wieder zu dem zu werden, was wir waren. Kümmern wir uns nicht um das Woher und Wohin. Was zählt sind alleine unsere Träume, Gedanken, Gefühle und Handlungen im Jetzt. Sie müssen im Einklang mit dieser Welt und den universellen Gesetzen stehen. Das ist die einzige Wahrheit.“

Das klang alles sehr schön und gut. Doch beantwortete er damit meine Frage nicht. Dafür schlich sich eine andere auf dem Weg nach Hause in meine Gedanken: Wieso ist so einer wie Armin überhaupt im Sanatorium? Und als ich fast zu Hause angekommen war, tauchte eine noch weitere Frage auf: Sollten nicht einige Menschen in führenden Positionen anstelle Armins dort sitzen?

Ich wünsche euch einen strahlenfreien Frühling. Euer Traumperlentaucher.

Bild: Der Frühlingsbote

Gottes Sanatorium

„Er geht nie ohne seinen Kater aus“, flüsterte mir Armin zu, als der alte Mann mit den wilden langen Haaren in der Kantine des Sanatoriums erschien. Hinter ihm spazierte eine getigerte Katze durch die Tür.

„Ich wusste gar nicht, dass Tiere hier erlaubt sind.“

„Selbstverständlich. Wo Menschen erlaubt sind, sind auch Tiere erlaubt.“ Armin schaute mich herausfordernd an. In diesem Augenblick setzte sich der Weißhaarige, ohne zu fragen, an unseren Tisch. Die Katze sprang auf seinen Schoss und begann laut zu schnurren.

„Sie werden in den Abfluss der Geschichte gespült“, sagte der Alte unvermittelt.

„Die Tiere?“, fragte ich verwirrt.

„Nein, die Menschen“, korrigierte mich Armin. Der Alte nickte zustimmend.

„Nur wir werden überleben“, sagte er und streichelte seine Katze. „wir hier im Sanatorium.“

„Wir sind eine Welt in der Welt“, meinte Armin. Sozusagen eine Enklave der Verrückten.“ Er kicherte.

„Wenn die Welt untergeht, wird auch das Sanatorium nicht verschont werden“, gab ich zu bedenken.

Der alte Weißhaarige schaute mich aus glänzenden Augen an. Für den Bruchteil einer Sekunde vermeinte ich darin Sterne zu sehen, ja ganze Galaxien.

„Ihr habt es verbockt“, sagte er.

Ihr? Wir? Wer war der Kerl? Gott in Person? Mir schwirrte der Kopf und die Kantine zog sich in die Länge wie ein Tunnel.

„Es existiert ein Sanatorium jenseits des Sanatoriums“, sagte Armin. „Das hier ist nur ein Vorposten.

Wenn ich noch länger bleibe, werde ich selbst verrückt und sie werden mich hierbehalten, schoss es mir durch den Kopf. Ich wollte aufstehen und zur Tür gehen, aber ich konnte mich nicht bewegen. War ich krank? Hatte ich Fieber? Ich griff mir mit der Hand an die Stirn. Die Katze vis-à-vis feixte wie der Grinsekater in Alices Wunderland.

„Es war alles da. Fruchtbares Land und Meere voller Fische. Riesige Wälder und Tiere euch zu Diensten. Aber ihr habt es verbockt“, sagte der Alte und seine Stimme donnerte durch die Tunnelkantine wie eine Explosion. Erstaunlicherweise drehte sich niemand nach unserem Tisch um.

„Aber du hast doch gesagt: macht euch die Erde untertan“, entgegnete Armin. Dann beugte er sich zu mir und flüsterte mir ins Ohr: „Er hält sich für Gott.“

„Ein weiser Herrscher ist gut zu seinen Untertanen und pflegt seine Gärten. Ihr wart dumm. Nur auf euren unmittelbaren Vorteil bedacht.“

„Wohnt er auch hier?“, fragte ich flüsternd zu Armin gebeugt. Der weißhaarige Alte schien unsere Flüsterkommunikation nicht wahrzunehmen.

„Es ist ein Fehler. Ein fürchterlicher Fehler.“, donnerte der Alte. Die Tunnelkantine wurde noch länger und enger. In der Ferne schien ein Feuer zu lodern. War ich verrückt? Nein, sagte ich zu mir, sie sind verrückt. Du bist der einzig normale hier.

„Da irrst du dich gewaltig“,  sagte der Alte. Ich erschrak. Konnte er Gedanken lesen?

„Er meint nicht dich“, flüsterte Armin, der offenbar mein Zusammenzucken bemerkt hatte.

„Mit wem spricht er dann?“, flüsterte ich zurück.

„Vermutlich mit einem Erzengel.“

In diesem Augenblick erhob sich der Alte und schritt ohne Abschied davon. Die Katze grinste uns kurz an und huschte ihm dann nach.

„Ein komischer Kauz“, sagte ich.

„Ja, er ist im Sanatorium jenseits des Sanatoriums einquartiert. Dort gibst es wirklich sonderbare Fälle.“

„Du meinst, er wohnt nicht hier im Haus?“

„Nicht wirklich. Er ist in Gottes Sanatorium zuhause und besucht uns nur ab und zu.

Nahm mich Armin auf den Arm oder meinte er das ernst?„Diese Besuche sind nicht gut für dich“, murmelte ich zu mir selbst.

„Es kann dir nicht schaden“, sagte Armin, der mein Selbstgespräch gehört hatte. „Besonders nicht in dieser Zeit der Auflösung.“

Vielleicht ist unsere Welt Gottes Sanatorium. Euer Traumperlentaucher.

Das Paradies-Fragment

„Sie kommt aus dem Nichts, wenn ich sie nicht erwarte und sie bleibt nur eine Sekunde lang. Zuwenig Zeit um sie zu fassen.“ Ich spazierte mit Armin im Park hinter dem Sanatorium. Frischer Schnee schmolz von den Tannen, die Enten im Teich gründelten nach Essbarem, die Berge ringsum trugen Wolkenschleier.

„Auch die schnellste Frau kann nicht so rasch verschwinden, es sei denn, du begegnest ihr in deinen Träumen“, entgegnete ich.

Armin lachte. „Ich spreche von meiner Erinnerung, von einer besonderen Art der Erinnerung und nicht von einer Dame. Sie kommt nicht, wenn ich nach ihr rufe, sondern unvermittelt, und sie ist weder komplett noch begreifbar. Auf jeden Fall nicht mit dem Verstand.“

„Vielleicht eine Art Erinnerungssplitter? Ein Fragment, herausgebrochen aus einem längst vergessenen Ereignis? Doch was vermittelt sie dir?“

„Ein Gefühl, nur ein Gefühl, für einen winzigen Augenblick. Vielleicht nur das Echo eines Gefühls, das ich einmal gespürt oder gar gelebt habe. Es ist ein unheimlich gutes Gefühl. Alles stimmt, das Glück ist perfekt, ich fühle mich losgelöst und gleichzeitig wohl behütet.“

„Die Erinnerung an einen Drogentrip?“

Armin winkte ab. „Nein, sicher nicht. Erinnerungen an Drogen sind nie so gut. Sie haben immer einen bitteren Beigeschmack. Nein, dieses Gefühl, so kurz es auch ist, ist perfekt. Es ist…das Paradies.“

„Vielleicht ist es tatsächlich die Erinnerung an ein Paradies, das du verloren hast. Ich denke, jeder Mensch trägt tief in sich die Abdrücke von Paradies und Hölle. Oder es ist die Erinnerung an die Zeit im Mutterleib.“

„Ich weiß es nicht. Doch jedesmal versuche ich sie festzuhalten, und wenn sie geht, versuche ich ihr nachzueilen, auch in meinen Träumen. Doch vor dem Nichts machen alle Gedanken und Träume halt.“

Ein älterer Herr kam uns auf dem Kiesweg entgegen. Er blieb stehen, kramte etwas aus seiner Manteltasche und warf es den Enten zu. Es klatschte auf dem Wasser wie bei einer Handvoll Kieselsteine. Das waren keine Brotstücke.

„Gegen Depressionen“, erklärte Armin, „die Enten lieben diese Sorte.“

„Sind es deine Pillen, die dir diese Erinnerungssplitter schicken?“, fragte ich meinen Freund.

„Nein, das glaube ich nicht. Ich habe schon mit Alba darüber gesprochen und sie meint, dass die Erinnerungstücke aus meinen Träumen stammen. Ich solle sie sammeln und zusammensetzen zu einem ganzen Traum, meint sie.“ Armin kicherte.

Ich war erstaunt. Von Alba hatte ich noch nie gehört. „Wohnt sie auch im Sanatorium?“

Armin schüttelte den Kopf. „Nein, Alba ist eine Besucherin. Du kennst sie nicht, sie kommt von drüben.“

Drüben, das waren seine Träume. Ein Gespräch mit den eigenen Traumgestalten war eine gute Sache, wie ich aus Erfahrung wusste. Sie bringen einem auf neue Gedanken und zeigen oft alternative Wege auf. Vermutlich stammten auch Armins Erinnerungsfragmente, genauso wie Alba, aus seinen Träumen. Träume, die er schon längst vergessen hatte. Träume von einer besseren Zeit außerhalb des Sanatoriums. Alba hatte Recht: wenn er diese Träume wiederfinden würde, würde es ihm besser gehen und er könnte vielleicht das Sanatorium verlassen.

„Es sind Paradies-Fragmente“, sagte ich und wusste nicht woher diese Eingebung stammte. „Finde sie, sie sind ein Schlüssel zu deinem Lebensglück.“

Vielleicht hätte ich ihm noch sagen sollen, dass er die finsteren Splitter meiden solle, die in der Tiefe seiner Seele steckten. Paradies und die Hölle sind manchmal sehr nahe beieinander.

Ich wünsche euch eine interessante Woche voll guter Träume. Euer Traumperlentaucher