Monatsarchiv: Februar 2012

Der erhobene Zeigefinger

Wenn man Fotos von Merkel und Sakozy sieht, so fällt einem auf, dass sie oft ihre Zeigefinger erheben. Überhaupt scheint der Zeigefinger bei Politikern beliebt zu sein. Doch nicht nur. Mann sieht ihn auch bei fanatischen Predigern. Auch von Osama Bin Laden findet man Bilder, wo er mit erhobenem Zeigfinger spricht. Was will uns denn dieser Zeigefinger sagen? Normalerweise sagt uns der Zeigefinger: „Schau dorthin, da gibt es was zu sehen.“ Wenn er aber in die Luft deutet, wo gar nichts zu sehen ist, ist seine Botschaft eine andere:

-         Jetzt pass mal auf!

-         Ich weiss es besser!

-         Ich habe Recht!

Es ist also eine Geste der Rechthaber und Besserwisser. Deshalb ist dieser spezielle Fingerzeig im normalen zwischenmenschlichen Umgang verpönt. Zumindest hierzulande. Höchstens bei Polizisten ist er noch in Gebrauch. Etwas häufiger wird der ausgestreckte Mittelfinger gebraucht. Ich rate jedoch von seiner Benutzung gegenüber Polizisten ab, auch wenn diese mit dem Zeigefinger herumfuchteln.

Euer Traumperlentaucher

Ist Gott dümmer als ein ungeschickter Schreiner?

Gott wird in den Religionen als allmächtig und allwissend dargestellt. Doch wenn man die Taten der Menschen betrachtet, muss man am Werk Gottes zweifeln. Denn Gott hat offensichtlich einen höchst mangelhaften Menschen geschaffen. Doch nicht nur das, er zürnt ihm auch ob seiner Unvollkommenheit. Wie ein Schreiner, der über seinen schrägen Schrank wütend ist. Dabei hätte er seine Fehler längst korrigieren können. Ein vernünftiger Schreiner hätte seinen Schrank geflickt. Aber nein. Stattdessen sendet er auserwählten Menschen Botschaften und Vorschriften um sie unter der Menschheit zu verbreiten. Die einen dürfen kein Schweinefleisch essen und müssen beten, bis ihnen das Denken vergeht. Anderen will er das Poppen mit Kondomen verbieten, dafür werden die Preister schwul, weil sie sich nicht mit Frauen vergnügen dürfen. Wieder andere müssen sein Werk selbst reparieren: Sie müssen an ihrem Pinsel herumschnitzen. Dafür gibst nur Koscheres.  Dabei hätte er doch in seiner Allwissenheit voraussehen müssen, was aus seiner Fehlkonstruktion wird. Da hilft doch alles Beten nichts mehr.

Die ganze Misere hat ja schon bei Adam und Eva angefangen. Gott hätte in seiner Allwissenheit voraussehen müssen, dass Eva dem verbotenen Apfel nicht widerstehen kann. Stattdessen hat er sich über die Zwei aufgeregt und sie aus dem Paradies vertrieben.

Die heiligen Schriften sind voll solcher Unstimmigkeiten und man erhält das Bild eines Gottes, der weder allwissend noch allmächtig ist, sondern höchste unangenehme Charaktereigenschaften aufweist. Er ist nachtragend und jähzornig, er droht und ist gewalttätig.

Sein Sohn scheint aber von sanfterer Natur zu sein. Wenn ich in der Zeit zurückreisen könnte, möchte ich ihm deshalb gerne einen Besuch abstatten – neben Nostradamus und Leonardo da Vinci. Auch ein Besuch bei Mohammed wäre sicher aufschlussreich.

Vielleicht käme ich dann der Frage näher, was das für ein Gott ist, der soviel Betenergie braucht und sein missratenes Werk einfach wursteln lässt bis zu einem fernen Tag, den er das jüngste Gericht nennt.

Vielleicht hat Erich von Däniken recht und Gott ist ein abgestürzter Astronaut. Wahrscheinlicher ist aber, dass es da drüben auf der anderen Seite keinen allmächtigen und allwissenden Gott gibt, sondern etwas ganz anderes, das sich kein Mensch ausdenken kann, oder schlicht und einfach nichts.

Ist es nicht wunderbar, auch im Herbst des Lebens dem Frühling entgegen zu gehen? Euer Traumperlentaucher

Eine Überlebenstheorie

Vielleicht erinnert ihr euch noch an den Melvin, der sich nicht von seiner toten Frau trennen wollte? Kürzlich traf ich ihn wieder oben im Wald. Er sass auf der Bank, von der man einen wunderbaren Blick über das weite Land hat, vom Jurabogen bis zu den Viertausender der Alpen. Ich setzte mich zu ihm und wir kamen ins Gespräch.

„Ich habe wieder eine Freundin“, sagte er.

„Oh, das freut mich“, antwortete ich, „kommt doch mal zusammen vorbei, dann können wir meinen neuen Schnaps degustieren.“

Komischer Kerl, dachte ich, beim letzten Mal hatte er noch behauptet, schwul zu sein. Vielleicht war seine Freundin in Wirklichkeit ein Freund.

Er zog ein vergammeltes Bild aus der Tasche. Es war tatsächlich eine Frau. Meiner Erfahrung nach kein Engel.

„Sie hat kleine Titten“, sagte er entschuldigend. „Dafür hat sie einen hübschen Hintern.“

„Das macht nichts“, entgegnete ich, „ich mag kleine Brüste.“

Er schaute mich schräg an. Ob ich was Falsches gesagt hatte?

„Wo habt ihr euch denn kennen gelernt?“

„In der Vorbereitungsgruppe. Wir haben zusammen vakuumiert.“

„Ich will keine Details wissen“, winkte ich ab. Heutzutage hatte ja jeder einen Fetisch. Das ging mich nichts an.

„Man kann fast alles vakuumieren“, insistierte er.

„Ja, natürlich.“ Das Gespräch wurde immer peinlicher, fand ich.

„Es macht richtig Spass, zu sehen wie es da raussaugt.“

„Das liegt in der Natur des Vakuums. Ich habe manchmal ein Vakuum im Kopf. Dann kann ich keinen klaren Gedanken mehr fassen“, versuchte ich abzulenken.

„Nur rote Beete geht schlecht. Der ganze Saft ist uns in den Motor gelaufen und das Gerät sah aus, als hätte man damit ein Schwein geschlachtet.“

Mir dämmerte, dass meine Fantasie wohl schmutziger war, als sein Vakuumieren. Vermutlich bin ich rot geworden. Ich hoffe, er hat das nicht bemerkt.

„Was ist denn das für eine Vorbereitungsgruppe?“, fragte ich.

„Zweitausend und Zwölf. Wir bereiten uns auf den Untergang der Welt vor.“

Jetzt verstand ich. Die beiden hatten vermutlich Nahrungsvorräte verpackt.

„Wozu braucht ihr denn Vorräte? Wenn die Welt untergegangen ist, ist niemand mehr da, der Hunger hat. Alle Nahrungsprobleme sind dann gelöst.“

„Es gibt immer Überlebende. Auch wenn es die Erde zerreisst. Vielleicht treiben wir dann auf einem Überrest durch das All. Wir haben zusammen einen alten Bus gekauft. Einen Zweistöcker.“

„Aha“, machte ich, „und damit wollt ihr durch den Weltraum reisen.“

„Ach was, mach dich nicht lustiger als du bist. Wir werden den Bus eingraben und als Bunker herrichten.“

Er spinnt noch mehr als Armin, dachte ich.

„Dazu braucht es aber eine Baubewilligung.“

„Wenn die Welt untergeht, ist auch das Problem mit den Baubewilligungen gelöst“, meinte er.

„Weißt du was, Melvin: das nächste Mal, wenn ich meinen Freund Armin besuche, nehme ich dich mit. Ich denke, ihr werdet euch prächtig verstehen.“

„Wo wohnt er denn.“

„Im Sanatorium.“

„Wunderbar, dort wollte ich schon lange mal hin.“

Mit ein bisschen Irrsinn erträgt man die Welt leichter. Auch den Weltuntergang. Euer Traumperlentaucher.

Gebet für Agnostiker

Für Atheisten macht Beten keinen Sinn, das ist klar. Denn sie verneinen die Existenz von Seele, Gott und Leben nach dem Tod. Doch Agnostikern könnte Beten vielleicht helfen. Wer weiss, ob es doch nicht irgendwo einen Gott gibt, der auch auf ihre Betenergie zählt. Hier ein aktueller Gebetsvorschlag für Agnostiker:

Lieber Gott, wenn es dich tatsächlich geben sollte und du ein lieber und kein böser Gott bist, verzeih mir, denn mir fehlt der Glaube. Ich glaube wissen zu müssen, obschon mir bewusst ist, dass ich eigentlich nichts weiss und wie alle Menschen auch nur glaube, was mir erzählt wird oder was in der Zeitung steht. Trotzdem, es geht einfach nicht. Ich bringe es nicht fertig, an dich zu glauben. Vielleicht liegt das an denen, die glauben, dich zu kennen und für dich werben. An denen, die in deinem Namen Kriege führen, foltern, morden und unter dem Schutz deines Namens Kinder schänden. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich ein Zeichen von dir erwarte, dass ich denke, du müsstest dich irgendwie manifestieren und zumindest mal deine Meinung zu all der Ungerechtigkeit dieser Welt kundtun. Aber du schweigst. Und so weiss ich nicht, ob es dich gibt. Ich bin auch verunsichert wegen der alten Bücher, die von dir berichten. Ich erkenne darin nicht nur einen gütigen Gott, sondern auch einen zornigen, nachtragenden und sogar fürchterlichen Gott. Und ich bin auch im Zweifel wegen deiner Propheten. Sie haben uns so viele Vorschriften gebracht, die in unserer Zeit, die wir für aufgeklärt halten, einfach keinen Sinn ergeben. Ich kann mich des Verdachts nicht erwehren, dass du einfach erfunden wurdest, weil sich die Menschen in der Weite des Weltalls einsam fühlten. Trotzdem möchte ich deine Existenz nicht einfach verneinen. Wenn ich etwas nicht weiss, heisst das ja nicht, dass etwas nicht existiert. So weiss ich denn nicht, ob wir Menschen eine unsterbliche Seele haben, die nach unserem Tod weiter existiert, oder ob uns einfach der ewige Schlaf in seine Arme nimmt. Und so weiss ich auch nicht, ob es dich gibt. Und wenn, ob du alleine bist oder es noch andere Götter gibt, ob du ein gütiger Gott oder eher ein menschlicher Gott bist und was wirklich in deiner Macht steht. Denn bisher habe ich nur deine Ohnmacht gesehen. Sollte es dich also geben, und sollte meine Seele, sofern sie denn existiert, eines Tages zu dir gelangen, so bitte ich dich schon jetzt um Verzeihung für meinen Unglauben und bitte dich, mich gleichwohl in dein Paradies aufzunehmen. Lieber Gott, ich wünsche dir noch einen schönen Tag.

Damit, liebe Agnostiker, seid ihr aus dem Schneider – wenn ihr Schwein habt. Euer Traumperlentaucher.

Twittern kann tödlich sein

Ich habe mich schon immer gewundert, wieso sich so viele Menschen von anderen freiwillig verfolgen lassen und so viele Freunde haben, die keine sind. Aber offenbar ist das ein menschliches Bedürfnis, sonst gäbe es Facebook nicht. Doch jetzt kommt eine neue Stufe von Verfolgung hinzu: Der Aufruf zur Hinrichtung via Facebook.

Der Journalist  Hamsa Kaschgari aus Saudi Arabien hat nämlich versucht mit dem Propheten Mohammed zu twittern. Darauf musste er eilig aus dem heiligen Land fliehen und jetzt fordern zehntausende „Facebook-Freunde“ seine Hinrichtung.

Kaschgari ist natürlich ein naives Ei. Erstens hätte er wissen müssen, dass der Prophet unantastbar ist und man nicht mit ihm twittern darf. Vermutlich hat er in der Koran-Schule nicht aufgepasst. Auch im Geographie -Unterricht hat er offenbar gepennt, sonst hätte er mitbekommen, dass Malaysia ein islamischer Staat ist, und wäre nicht ausgerechnet dorthin geflohen.

Nun wurde er von Saudi Arabien bei den Freunden in Malaysia abgeholt, und natürlich steht auf Blasphemie die Todesstrafe. Denn nach islamischer Zeitrechnung haben wir das Jahr 1433 und nicht 2012. Auch das hätte Kaschgari wissen müssen.

Vermutlich wird man ihn auspeitschen, köpfen und vierteilen. Das haben wir früher in Europa auch so gehandhabt. Und die, die meinen, das Mittelalter liege bei uns schon weit zurück, sollen doch mal anstatt zu twittern oder sich im Facebook vor der ganzen Welt auszuziehen, in der Geschichte des letzten Jahrhunderts grübeln.

Was ich an der Geschichte seltsam finde, ist der Umstand, dass Facebook eine Gruppe zulässt, die offen zur Hinrichtung eines Menschen aufruft. Ob das ein neuer Trend ist, oder einfach Ausdruck der üblichen amerikanischen Bigotterie, weiss ich nicht.

Seltsam finde ich aber auch, dass strenggläubige Muslime die dekadenten und schmutzigen Instrumente von Ungläubigen benutzen wie Facebook und Twitter. Dabei sollte doch jedem klar sein, dass man dort jederzeit unverschleierten Frauen begegnen kann. Und das ist noch das Harmloseste.

Aber wenn wir pro Tag auch sieben Mal beten müssten und die Frauen vom Wirtschaftsleben auschliessen würden, hätten wir vermutlich ebenfalls keine Zeit, solche Techniken wie Twitter und Facebook zu entwickeln.

Ob das ein Unglück wäre?

Trotzdem bleibe ich Pastafari und konvertiere nicht. Euer Traumperlentaucher.

Islamistischer Winter auf den Malediven?

Auf den Malediven ist wieder mal der Teufel los. Der erste demokratisch gewählte Präsident, Mohamed Nasheed, wurde in einer von der Opposition angezettelten Revolution abgesetzt. Der alte Diktator Maumoon Abdul Gayoom will nach dreieinhalb Jahren offenbar wieder an die Macht zurück.

Dazu hat er sich mit den Islamisten verbündet, die ein Alkoholverbot und eine Einstellung nicht Islam konformer Aktivitäten fordern. Wohl gefördert und gesteuert von den oberfrommen Wahhabiten, wie könnte es anders sein.

Leicht könnte da der Schuss nach hinten losgehen. Wenn die Islamisten ihre Forderungen durchsetzen und die Touristen ausbleiben, werden die Menschen dort rasch einmal feststellen, dass man den Koran nicht essen kann.

Was soll’s. Nachdem herausgekommen ist, wie unflätig die Einheimischen die Touristen in ihrer Sprache beschimpfen, dazu falsch lächeln und das als Hochzeits-Zeremonie verkaufen, werde ich mich dort ohnehin nicht mehr blicken lassen.

Aber der religiöse Wahn ist nicht nur auf die Malediven begrenzt. Der sogenannte arabische Frühling wird zu einem islamistischen Winter, in den USA haben die extremen Katholen offenbar Oberwasser, wie man am Erfolg von Santorum sieht und sogar in Israel entwickeln die Ultraorthodoxen immer mehr Chutzpe.

In unsicheren Zeiten suchen die Menschen offenbar vermehrt Zuflucht bei den Religionen. Europa hinkt da noch etwas hinten drein, aber das wird bei uns sicher auch noch kommen.

Als Pastafari verlange ich den Bau eines Spaghetti-Tempels und die Einführung eines Nudel-Feiertags. Euer Traumperlentaucher.

PS. Was ist eigentlich aus dem Anstieg des Meeresspiegels geworden :-)

Gescheit und trotzdem blöd

Die Geschichte der Bank Wegelin ist nach 271 Jahren plötzlich zu Ende. Daran haben aber nicht die Amerikaner schuld, sondern unbelehrbare Bankster. Liest man die Anschuldigungen der US Staatsanwaltschaft so denkt man unwillkürlich an einen Mafia-Film. Das Wort Verschwörung scheint dabei durchaus angebracht. Mit krimineller Energie wurde das US-Geschäft in den letzten Jahren vorangetrieben. Innert fünf Jahren wuchsen die verwalteten Vermögen von 240 Millionen auf 1200 Millionen Dollar an. Die Bankster fühlten sich sicher, sie hatten ja keine Niederlassung in den USA.

Der Oberboss dieser Verschwörung, Konrad Humler, der die Verwaltung von Steuerfluchtgeldern in der Schweiz als legitim ansieht, erstaunt mich. Ich habe oft seine Anlagekommentare gelesen. Er setzte sich für Parallelimporte und Freihandelsabkommen ein und war ein Gegner des EU-Beitritts. In seinen Kommentaren schimmerte eine soziale Ader durch. Er machte mir keinen unvernünftigen Eindruck, seine Kommentare waren intelligent und interessant geschrieben.Wie kommt dieser Mann dazu nach dem UBS Debakel ein solch riskantes Spiel zu spielen und die Schwarzkunden der UBS zu übernehmen? Ein fix verdrahtetes Hirn, ein Kurzschluss im Kopf? Dumm ist er ja nicht der Hummler. So wie er die Wegelin in den Sand gesetzt hat, muss er aber blöd sein.

Wie kommt Humler dazu, zu meinen, die Schweizer Banken könnten ihr Geschäftsmodell als Helfer ausländischer Steuerhinterzieher weiter führen? Vielleicht liegt es daran, dass er das Casino der Banker nie verlassen hat und immer nur unter seinesgleichen war.

Vermutlich werden der Bank Wegelin andere Banken nachfolgen. Ich denke, dass da in mancher Teppichetage bereits höchste Nervosität herrscht. Sogar Kantonalbanken sollen dem Geschäftsmodell der Wegelin gefolgt sein. Das scheint mir logisch, herrscht doch bei den Bankstern Inzucht.

Humler und seine Kumpanen haben der Schweiz geschadet. Schade, dass man sie nicht an die USA ausliefern kann. Aber zumindest werden sie kaum mehr sorgenlos ins Ausland reisen können. Aber vielleicht beurteilen sie auch das anders. Wundern würde es mich nicht. Banker scheinen unbelehrbar zu sein.

Euer Traumperlentaucher, bei starker Bise (Ostwind) und -14 Grad.