Wasser und Wein

Wasser predigen und Wein trinken ist ein übliches Verfahren. Kürzlich am Stammtisch waren wir etwas bescheidener: als wir über Wasser sprachen, haben wir bloß Bier getrunken.

Wasser, so war die allgemeine Meinung, ließe sich nicht zusammenpressen, es sei nicht komprimierbar. Ob das in den Schulen erzählt wird, entzieht sich meiner Kenntnis, denn ich habe dort nie aufgepasst.

Doch Wasser lässt sich, wie alle bekannten Materialien, sehr wohl zusammenpressen. An den tiefsten Stellen unserer Ozeane wird das Meerwasser durch den Druck der darüber liegenden Wassermassen um etwa fünf Prozent komprimiert. Wäre das Meer noch tiefer, würde das Wasser immer mehr zusammengepresst, bis es schließlich in etwa 100km Tiefe durch den enormen Druck wieder zu Eis würde. Allerdings nicht zu einem Eis, wie wir es kennen, sondern zu einer Art heißem Eis mit Temperaturen oberhalb des Siedepunkts und mit einer anderen Struktur. Das ist nicht etwa bloß Theorie, sondern wurde bereits praktisch erprobt.

Die drei Wasserzustände, die wir kennen (Dampf, Flüssigkeit und Eis) sind nur ein kleiner Teil der Zustände, die das Wasser einnehmen kann. Es ist sogar denkbar, dass Wasser bei einem gewissen Druck in einen Zustand übergeht, den es dann auch beibehält, wenn der Druck wieder von ihm genommen wird. Wie das beim Diamant der Fall ist, der im Erdinneren durch das Zusammenpressen von Kohlenstoff entsteht.

Tatsache ist: über Wasser weiß man noch längst nicht alles. Es ist eine sehr seltsame Flüssigkeit. Übrigens die Einzige mit einer Anomalie: Das Volumen von Wasser nimmt – bei Drücken, wie sie auf unserem Planeten vorkommen – mit sinkender Temperatur ab, bis es bei vier Grad das kleinste Volumen erreicht. Gegen Null Grad wird aber das Volumen rasch wieder größer, bis es dann zu Eis gefriert, das etwa 9% mehr Volumen in Anspruch nimmt und so auf dem Wasser schwimmt.

Deshalb sinkt Wasser mit vier Grad auf den Grund ab, Nullgradiges bleibt an der Oberfläche. Hätte Wasser diese Anomalie nicht, würden unsere Seen nicht an der Oberfläche, sondern am Grund gefrieren.

Doch wieso lässt sich Materie zusammenpressen? Ganz einfach, weil sie hauptsächlich aus Nichts besteht. Die Zwischenräume zwischen den Atomen sind riesig, bereits die Elektronen eines Atomkerns umkreisen diesen in einem Abstand, der zehntausend mal größer ist als der Durchmesser des Atomkerns. Atome ziehen sich bis zu einer gewissen Grenze gegenseitig an und das ist auch der Grund, wieso sich Materie bilden kann. Doch wenn sie sich zu nahe kommen, stoßen sie sich gegenseitig ab – sie halten sich gegenseitig gewissermaßen auf Distanz. Diese Kraft ist enorm groß, daher braucht es auch sehr große Drücke (viel Energie) um sie zu überwinden.

Genug Wasser gepredigt, jetzt werde ich mal ein Glas Wein trinken. Euer Traumperlentaucher.

2 Antworten zu Wasser und Wein

  1. Ich stimme mit Dir überein, dass Wasser trotz seiner Einfachheit das wohl interessanteste Molekül ist. Trotzdem:

    Der Klugscheisser Maulwurf kanns nicht lassen:

    1) Wasser erreicht nicht bei minus 4 Grad das kleinste Volumen, sondern bei plus 4 Grad. (und Normdruck) Aber ich denke, da hast Du Dich schlicht verschrieben.

    2) Wein besteht auch zu ca. 85% aus Wasser. Der Rest ist Frostschutz, was bei den gegenwärtigen Temperaturen allerdings hilfreich ist, ansonsten man glatt verdursten könnte…

  2. traumperlentaucher

    Hoppla, natürlich habe ich mich verschrieben. Werde das sofort korrigieren. Vielen Dank lieber Maulwurf.
    Kann mich erinnern, dass es die Österreicher vor Jahren mit dem Frostschutz im Wein übertrieben haben. Sind dabei ein paar Leute ziemlich kalt geworden.

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