Posted by: traumperlentaucher | April 24, 2008

Gipfelgedanken

Der Stress im Arbeitsleben nimmt dramatisch zu und die Menschen leiden immer mehr unter psychischen Störungen, wie man allenthalben lesen kann. Gespräche im Bekanntenkreis bestätigen diesen Trend. Burnouts und Depressionen verbreiten sich wie die Masern.
Auch Spiegel Online befasste sich gestern mit diesem Thema. Es würden dadurch Milliardenschäden in Unternehmen entstehen, jammerte der Schreiber. Dabei sei doch Stressresistenz laut Psychologen erlernbar.
Ein weiteres Zeichen dafür, in welche Richtung sich unsere Welt bewegt. Die Sorge gilt in erster Linie den Moneten und nicht den Menschen. Um letztere kümmern sich die Betriebspsychologen und die Kameraüberwachung.
Das sogenannte Humankapital wird bis zum Letzten ausgepresst. Dieser Letzte löscht dann das Licht, bevor der Betrieb wiederum in ein scheinbar billigeres Land ausgelagert wird.
Ist das nicht Fortschritt! Der Schritt von der Produktions- zur Dienstleistungsgesellschaft, den uns die Priester des ewigen Wachstums versprochen haben?

Wie ist es dazu gekommen? Wieso werden wir immer mehr gestresst, gemobbt und überwacht? Wieso reicht ein einziger Job nicht mehr? Wieso reicht die Zeit nicht mehr zum Leben?
Dabei geht es uns doch gut. Soviele Fernsehkanäle hatten wir noch nie. Die Bildschirme werden immer grösser, die Klingeltöne immer mehr. Wir brauchen nicht mehr zu kochen – Convenience-Food sei Dank. Auch die Autos sind bequemer und stärker als früher. Das Internet bietet uns allen ein virtuelles Leben. Den Urlaub verbringen wir auf einer fernen Insel oder bilden uns mit Reisen. Was wollen wir noch mehr?

Trotzdem läuft da etwas gewaltig schief, das spüren wir, sofern wir nicht gerade zu den Reichen und Schönen gehören. Und das sehen wir, wenn wir die Augen nicht verschließen.
Was ist passiert? Haben wir uns verlaufen? Hat uns der Pfad der Globalisierung in die Irre geführt? Der Neoliberale Hyperkapitalismus zum Narren gehalten?

Abgesehen davon, dass wir uns dauernd zum Narren halten lassen, das Problem ist einfach:
Wir haben den Zenit überschritten. Peak Mensch. Die Kurve wird in einigen Bereichen noch etwas überschwingen, uns noch ein paar Illusionen bescheren, doch unser Weg führt nach unten, der Gipfel liegt bereits hinter uns.
Was bleibt, sind unsere Erinnerungen an die berauschende Höhenluft, an eine euphorische Zeit des Aufstiegs in der alles machbar und möglich schien, an die entzückende Aussicht vom höchsten Punkt. Wir dachten damals, es ginge noch weiter, immer höher und wir haben in unserem Rausch nicht bemerkt, wie schwierig und gefährlich der Abstieg sein wird. Wir haben den schmalen Weg nahe dem Abgrund übersehen und wir haben auch nicht bemerkt, was vor uns im Tal liegt.
Was uns auch noch bleibt, sind unsere Träume
Passen wir auf, dass wir sie nicht verlieren! Euer Traumperlentaucher

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