Lass die Stille erzählen

Niemand kann besser Geschichten erzählen als die Stille. Niemand kann eindrücklicher von Liebe, Hoffnung und Träumen berichten als sie. Höre auf die Stille, lausche ihrem Flüstern, sie wird dich nicht enttäuschen. Doch habe Geduld. Wenn du aus dem Lärm kommst, wirst du sie zuerst als unangenehm empfinden, ja gar als aufdringlich, und du wirst sie nicht hören können. Dann ist die Versuchung gross, in Stimmenwirrwarr oder Musikgeplätscher zu flüchten, zurück in die lärmende Hast unserer Zivilisation. Nicht jeder erträgt die Stille, nicht jeder ist bereit sie zu verstehen. Denn sie ist rar geworden in unserer Zeit, die Stille.

Wenn du sie gefunden hast, abseits der Hast und dem Trubel, öffne dein Herz und lausche, was sie zu erzählen hat. Sie weiss alles über dich und sie weiss mehr über die Erdengeschichte als irgendein anderes Wesen. Sie war da, als das erste Geräusch des Lebens erklang und sie war noch da, als die Schlachten geschlagen und die Toten begraben waren. Sie wird auch noch da sein, wenn der letzte Ruf des Lebens verklungen sein wird.

Doch um der Stille zuzuhören, genügt es nicht nur äusserlich still zu sein und dem Rauschen in seinen Ohren zu lauschen. Du musst auch den Lärm deiner Gedanken verbannen. Dieses wilde Durcheinander, das unser Leben immerzu begleitet, aufgepeitscht durch unübersehbare Informationsfluten, verstärkt durch unsere Zwänge und Ängste.

Bis die Gedanken still werden, braucht es seine Zeit. Vermutlich musst du die Stille öfters besuchen und länger bei ihr verweilen, als es dir dein Terminkalender vorschreibt. Vielleicht musst du sogar ganz auf ihn verzichten.

Doch eines Tages, wenn deine Gedanken frei und ruhig geworden sind, wenn du nichts mehr wahrnimmst als deinen eigenen Herzschlag, wirst du ihre Stimme hören. Vielleicht wird sie dir darüber berichten, wer du wirklich bist und was du wirklich suchst. Sie wird dir sowohl aus der Vergangenheit erzählen, wie aus der Zukunft, und sie wird dir davon berichten, wie es in anderen Welten sein könnte, die du noch nicht kennst und vielleicht nie kennenlernen wirst. Sie wird dir sagen, was es mit deinen Albträumen auf sich hat, woher deine Ängste kommen und auf welchem Fundament deine Hoffnung beruht.

Doch das ist noch längst nicht alles. Je mehr du dich mit der Stille beschäftigst, je mehr du sie lieben lernst, desto mehr wirst du verstehen. Du wirst das Böse und das Gute begreifen und seinen ewigen Kampf und du wirst den Schmerz und das Glück der ganzen Welt fühlen, als wären plötzlich alle Menschen in dir, die je auf diesem Planeten gelebt haben. Tausende von Stimmen wirst du raunen hören und tausend tonlose Schreie wirst du in deinem Herzen spüren. Du wirst Bettler und König sein zugleich und du wirst Jäger und Gejagter sein, Folterknecht und Leidender. Unzählige Gefühle werden dich durchströmen, unzählige Emotionen dich erschüttern. Du wirst die Vergänglichkeit ebenso spüren, wie die Ewigkeit.

Du wirst all das erfahren, was es ausmacht, ein Geschöpf dieser Welt zu sein. Gemacht aus Sternenstaub und bestimmt dazu, wieder zu Sternenstaub zu werden um immer wieder teilzuhaben, wenn neue Himmelskörper erschaffen werden und vielleicht auch in neuem Leben aufzugehen, immer wieder von neuem, bis ans Ende der Zeit.

Du wirst bei der Stille all das erfahren, was du im Leben bisher verpasst hast, indem du über deinen kurzen Lebenspfad gestolpert bist, ohne dir Zeit zu nehmen, weder links oder rechts zu schauen oder gar innezuhalten.

Die Stille weiss alles, denn sie war da, bevor dieses Universum geboren wurde und sie wird noch da sein, wenn es längst vergangen sein wird. Es lohnt sich, ihr zuzuhören. Dein Traumperlentaucher.

Probleme machen chancenblind

Viele Probleme verschwinden von selbst, man braucht bloss etwas Geduld. So wie das Waldsterben und die Schweinegrippe, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Als ich noch einer geregelten Lohnarbeit nachging, habe ich diese Erfahrung oft gemacht. Probleme, die vorzugsweise am Freitag auftauchten und die angeblich noch unbedingt vor dem Wochenende gelöst werden mussten, waren am Montag einfach nicht mehr da. Auch wenn Freitag bis spät in die Nacht keine Lösung gefunden werden konnte.

Genauso verhält es sich mit vielen Jahresendproblemen. Ein technisches Problem, eine Lieferung, die unbedingt noch raus muss, Schwierigkeiten mit einem Mitarbeiter. Im Januar entpuppt sich das Problem als Einzelfall, der Kunde braucht die Ware erst im März und der problematische Mitarbeiter „funktioniert“ wieder zur besten Zufriedenheit.

Leider ist es nicht mit allem so: Vorallem nicht mit den grundlegenden Problemen dieser Welt: Die Wirtschaftskrise verschwindet nicht von selbst, Schulden lösen sich nicht in Luft auf und Kriege auch nicht.

Trotzdem sollten wir uns nicht zusehr von Problemen gefangen nehmen lassen. Wer nur Probleme sieht ist blind für die Chancen, die sich bieten. Das gilt sowohl in einer Firma wie auch generell im Leben.

Eine schöne und besinnliche Zeit. Euer Traumperlentaucher

Ein langer Weg

„Für mich ist der Islam wie Alkohol. Viel davon ist gefährlich, ein wenig davon schadet nicht.“

Hamed Abdel-Samad, Aegypter, Politikwissenschafter und Historiker an der Universität in München  in der Sendung des Sonntagsblicks vom vergangenen 20. Dezember. Hamed Abdel-Samad wurde in Ägypten als Sohn eines Iman geboren und schloss sich in seiner Jugend radikalen Muslims an.

Einer der das ganz anders sieht , trotz seiner 83 Jahre, ist die graue Eminenz des Islams, dem sogar Regierungen nicht zu widersprechen wagen:

„Araber und Muslime dürfen keine Weihnachtsfeste mehr erlauben“

Scheich Jussuf al-Kardawi in einer Fatwa.

Der Islam hat noch einen weiten Weg zu gehen, bis er in unserer Zeit ankommen wird. Er steckt zum Teil immer noch im 7. Jahrhundert. Mit Anbiederung, wie es die christlichen Kirchen zum Teil tun und mit Toleranz bis zur Selbstverleugnung wie sie in England geübt wird, sind wir ihm auf diesem Weg ein schlechter Gefährte.

Ein frohes Weihnachtsfest. Euer Traumperlentaucher

2012

Niemand kann die Zukunft exakt voraussagen. Man müsste sich schon in den Zeitstrom einfädeln können. Gewisse Ereignisse lassen sich aber aus der Betrachtung der Vergangenheit und der Gegenwart prognostizieren. Dass morgen die Sonne wieder aufgehen wird, ist eine solche Prognose. Auch wenn die unwahrscheinliche Möglichkeit besteht, dass es morgen dunkel bleiben könnte.

Ganz sicher ist nichts in dieser Welt, ausser der Unsicherheit. Doch wagen wir trotzdem einen Blick in die Glaskugel. Was erwartet uns in den nächsten paar Jahren?

Die Wirtschaftskrise ist vermutlich noch längst nicht ausgestanden und die nächsten Jahre dürften uns deshalb von vielem mehr bringen, ausser mehr Wohlstand notabene:

Mehr Arbeitslosigkeit

Mehr Steuern

Mehr Unterschied zwischen vielen Armen und wenigen Reichen

Mehr soziale Unruhen

Mehr Migrationsdruck

Und ganz generell mehr Unsicherheit. Denn die Krise ist eigentlich keine Wirtschaftskrise sondern eine Zivilisationskrise. Zuviele Menschen, zuwenig Ressourcen und zuviel Raubtier in unseren Genen.

Ob einige Staaten, wie z.B. Griechenland bankrott gehen werden, ist schwer zu sagen. Trotz der immensen Schulden wird „man“ vermutlich einen Trick finden, sich über Wasser zu halten. Ein Staatsbankrott ist einfach zu gefährlich für das ganze Kartenhaus.

Wahrscheinlich werden aber die Schulden der meisten Staaten in den nächsten Jahren eher mehr als weniger, will doch kaum ein Gläubiger auf sein Geld verzichten, weder Rentner noch Milliardär.

Vermutlich werden wir uns weiter durchwursteln, eine Krise an die andere reihend, und dabei langsam den Weg ins Tal beschreiten.

Ob Gold steigen wird, die Börse krachen oder jubeln, darüber kann man streiten. Das alles ist ja von Menschen gemacht und daher alles andere als rational. So bin ich denn zum Wirtschafts-Agnostiker geworden.

Über den Klimawandel wird in den nächsten Jahren sicher fleißig weiter diskutiert werden, wie kürzlich in Kopenhagen. Es ist aber wenig wahrscheinlich, dass dabei mehr als unverbindliche Zusagen rauskommen. Erstens sind die Interessen der „Beteiligten“ zu unterschiedlich und zweitens steigt zwar zur Zeit der CO2-Gehalt unverdrossen weiter, aber weder die Temperatur noch der Meeresspiegel. Ein Zwischenhalt wegen der geringen Sonnenaktivität? Die Forscher, die vom „Klima“ leben, werden es sicher herausfinden. Ob sie uns die Wahrheit erzählen werden, steht auf einem anderen Blatt.

Aber eigentlich spielt das keine Rolle. Die fossilen Energiequellen werden sowieso in einigen Jahrzehnten erschöpft sein und dann ist fertig lustig.

Die Umwelt der Menschen wird sich so weiter entwickeln wie bisher: Immer weniger Platz für immer mehr. Das heißt: größere Städte, mehr Beton statt Bäume, mehr dreckiges Wasser und dreckige Luft, Palmölplantagen statt Urwälder, dafür leergefischte Meer und aussterbende Spezies.

Doch Mutter Erde wird’s verkraften. In ein paar Millionen Jahren wird keine Spur mehr von Menschen zeugen. Dafür werden vielleicht die Oktopusse aus den Meeren kriechen und sich auf den Weg zu einer neuen Zivilisation machen.

Alles in allem also kein Grund zur Beunruhigung. Durch diese Ereignisse wird das Universum nicht erschüttert.

Die Technik wird uns in den nächsten Jahren sicher auch noch ein paar „Wunder“ bescheren. Aber sie wird die Welt nicht retten. Ob sie den Übergang vom Erdölzeitalter ins Zeitalter der alternativen Energien für alle Menschen ermöglichen wird, wage ich zu bezweifeln. Doch eines scheint mir wahrscheinlich. Die größten Fortschritte der Technik werden den Kriegern zugute kommen. Drohnen sind der Anfang, Kampfroboter und Schrecklicheres der nächste Schritt.

Und um Kriege werden wir leider nicht herumkommen. Afghanistan ist nicht der Schluss. Ein dritter Weltkrieg liegt leider in Reichweite, mit einem Einsatz von Atomwaffen. Denn dazu wurden diese Dinger ja schließlich ersonnen und gebaut. Iran will die Bombe, allen gegenteiligen Beteuerungen und allem Gutmenschenglauben zum Trotz. Israel wird das nicht zulassen und das „Problem nachhaltig regeln“. Pakistan hat die Bombe schon und die Taliban schielen begehrlich darauf. Die Türken sind zwar in der Nato, doch ihr Herz ist anderswo. Die ganze Region vom Bosporus bis in den Kaschmir ist ein Pulverfass. Nicht das einzige, doch das mit dem größten Potenzial. Kriege in Afrika oder Südamerika werden wir vermutlich noch einige erleben, doch sie werden uns Europäer wohl kaum so stark in Mitleidenschaft ziehen wie der drohende Krieg im Orient. So könnte das Jahr 2012 durchaus seine Bedeutung haben. Nicht wegen dem geheimnisvollen Planeten Nibiru oder dem Ende des Maya-Kalenders, sondern aufgrund von irdischen Ereignissen.

Glücklicherweise bleibt uns die Zukunft verborgen, außer vielleicht in unseren Träumen. Euer Traumperlentaucher.

The Unknown
by D. Rumsfeld

As we know,
There are known knowns.
There are things we kn
ow we know.
We als
o know
There are known unknowns.
That is to say
We know there are some things
We do not know.
But there are also unknown unknowns,
The ones we don’t know
We don’t know.

Der Glaube an Menschenrechte

Menschenrechte sind Ansichtssache

Die Japaner halten offensichtlich das Recht auf Walfischfang für ein Menschenrecht, während unsere lieben deutschen Nachbarn ein Menschenrecht darin sehen, mit 200 Sachen über die Autobahn zu brettern. Die Grünen glauben an das Menschenrecht auf freie Migration, das haben sie den Vögeln abgeschaut,  und die Sozis an das Recht auf öffentlichen Verkehr, was mir ziemlich unanständig erscheint.

Die Demonstranten in Kopenhagen glauben an das Recht auf eine garantierte Grenze bei der weltweiten Temperaturerhöhung und die dänischen Polizisten, wie alle Polizisten auf der Welt, glauben an das Recht nach Herzenslust prügeln zu dürfen. Ein Recht, das natürlich nur ihnen zustehen soll aber das immer mehr von klingeltondressierten, egoshootergeschädigten, werbegesättigten urbanen Jugendlichen reklamiert wird.

Die Banker glauben an ein Menschenrecht auf Bonus und auf Zins und Zinseszins, während sie das Recht auf Kredit vehement abstreiten. Der Schweizer Bünzli glaubt daran, dass der Strom aus der Steckdose ein Menschenrecht sei, genauso wie die direkte Demokratie. Obschon die in der Weltgeschichte ein absoluter Exot ist. Die islamische Welt glaubt, dass die Scharia über allen Menschenrechten stehe und die Amerikaner glauben, es wäre ein Menschenrecht, überall und jederzeit einen Krieg anzuzetteln. Eines, das jedoch nur den USA vorbehalten sei. Auch glauben sie an ein Menschenrecht auf Benzin. Die Israeli glauben wiederum an das Recht auf freie Besiedlung von Land, das ihnen – gemäß einem alten Buch – vor zweitausend Jahren gehörte, und der Iran glaubt an das Menschenrecht auf Atombomben. Das ist aber auch das einzige „Menschenrecht“ woran sich die Iraner halten. Allen Staaten und Potentaten ist aber gemeinsam, dass sie an ein Recht auf Steuern glauben und daran, bedrucktem Papier einen Wert zumessen zu dürfen.

Am schlimmsten jedoch ist die Natur, sie kennt nur ein einziges Menschenrecht: das auf einen Tod. Allerdings glauben viele Menschen daran, sie hätten ein Recht, dieses Menschenrecht etwas abzukürzen. Ein Recht, das wiederum die katholische Kirche, die CVP und der Bundesrat den Bürgern streitig machen wollen. Wäre ja sittenwidrig, wenn nach Lust und Laune gestorben würde. Das geht nicht einmal im Krieg.

Doch die Natur ist unerbittlich, sie anerkennt nicht einmal das Recht auf Leben, geschweige denn auf körperliche Unversehrtheit.

Sie kümmert sich weder um die Scharia, noch um irgendwelche Pfaffen, Propheten und Götter. Der Klimawandel ist ihr ebenso egal wie der Naturschutz. Und am Ende wird sie Recht behalten. Das ist ein Naturgesetz!

Und woran glaubt der Traumperlentaucher? Ich glaube an ein Menschenrecht, lieben zu dürfen.

Ein schönes Wochenende. Euer Traumperlentaucher

Klimahandel

Das ist der Klimawandel, dachte ich, als ich realisierte, dass die Schweiz zu einer vom Meer umspülten Insel geworden war. Ach was, meldete sich ein anderer Gedanke, du träumst. Ich schloss die Balkontür und legte mich wieder ins Bett. Aus dem Radio war kein Ton mehr zu hören.

Was jetzt? Du musst wieder einschlafen, dachte ich. Wenn du dann aufwachst ist die Welt wieder in Ordnung. Ja, schlafen, das war die Lösung. Im Schlaf reduzieren sich unsere Probleme auf Träume.

Doch so rasch konnte der Meeresspiegel gar nicht angestiegen sein und schon gar nicht mehrere hundert Meter. Mit diesen Gedanken schlief ich wieder ein.

Als ich aufwachte war die Luft zäh wie Melasse. Ich musste mich bei jedem Atemzug anstrengen. Über meinem Bett schwebten drei Goldfische und knabberten am Traumfänger.

Der Meeresspiegel ist noch weiter gestiegen und wir sind nun ebenfalls unter Wasser, schoss es mir durch den Kopf. Kopenhagen ist gescheitert.

In diesem Augenblick lösten sich die Goldfische auf und die Luft wurde frisch. Ich war endlich in der Wirklichkeit. Als ich die Balkontür öffnete, war es noch dunkel. Bittere Winterkälte empfing mich. Anstelle des Meeres hörte ich den Autoverkehr rauschen. Das Dorf fuhr zur Arbeit in die Stadt.

Ich schloss rasch die Tür und drehte das Radio an. Nachrichten. Wiederum ging es um Kopenhagen. Für die Journalisten schien es zurzeit kein anderes Thema zu geben. Gebetsmühlenartig wurden Schreckensszenarien wiederholt. Das Mikrofon wanderte vom einen Experten zum anderen. Unser Umweltminister Moritz Leuenberger fahre mit einem Extrazug nach Dänemark, begleitet von 80 Personen, erfuhr ich. Er wolle CO2 sparen

Mehr als heisse Luft und eine schöne Schluss- und Absichtserklärung wird wohl nicht rauskommen. Ausserdem geht es dort oben gar nicht ums Klima, sondern nur um Geld – wie immer.

Macht euch keine Sorgen, es ist bald Weihnachten. Euer Traumperlentaucher

Als die Schweiz zur Insel wurde

Als ich aufwachte, war der Strom ausgefallen und draussen rauschte das Meer. Das Meer! Das war doch mindestens 500km weit weg! Vielleicht war’s ein Vogelschwarm oder die Straßenreinigung. Ich schaltete das batteriebetriebene Radio an. Musik plätscherte aus dem Lautsprecher. Doch dann…

„Infolge ausserordentlicher Ereignisse schalten wir eine Sondersendung ein. Hier die neusten Nachrichten:

Heute Morgen, um zirka drei Uhr, brachen sämtliche Kontakte mit dem Ausland plötzlich ab. Weder Telefon noch Internet funktionieren und nach Aussagen von Amateurfunkern ist seither auch kein Funkkontakt mit den umliegenden Ländern mehr möglich. Der Ausfall des europäischen Stromverbundes hat zudem zum landesweiten Ausfall der Stromversorgung geführt. Der Bundesrat ruft alle Bürgerinnen und Bürger dringend auf, heute Zuhause zu bleiben und Ruhe zu bewahren.

Soeben erreichen uns noch folgende Meldungen:

Die Autobahn bei Chiasso wurde überschwemmt, eine Weiterfahrt ist unmöglich… Auch von anderen Grenzorten werden ähnliche Überschwemmungen gemeldet, so auch von Basel, Genf und Schaffhausen.“

Dann folgte eine Pause, nichts als feines Rauschen. Ich wollte schon am Radio drehen doch dann hörte ich wieder die Stimme der Sprecherin. Sie tönte irgendwie hysterisch:

„Das ist unmöglich, ihr wollt mich verarschen. Ich weigere mich, diese schwachsinnigen Nachrichten zu lesen.“

„Nein, nein“, antwortete eine männliche Stimme, „das ist keine versteckte Kamera oder so was. Das ist echt. Vielleicht sogar der Weltuntergang. Endlich mal Action!“

„He, wir sind noch auf Sendung“, sagte eine dritte Stimme, „was ist denn in der Regie los?“

„Da ist plötzlich keiner mehr“, sagte die Sprecherin gepresst.

„Das ist verrückt. Haben wir wenigstens das Bundeshaus noch auf der Leitung?“

„Die spinnen schon am Morgen, sowas von überdreht“, murmelte ich und öffnete die Tür zum Balkon. Draussen schien die Sonne, ein wunderbarer Tag. Von Süden nahte ein grosses Flugzeug. So tief hatte ich hier noch nie eins fliegen sehen. Mein Blick schweifte über den nahen Wald und die Häuser in der Umgebung. Wie ruhig und friedlich die Welt doch war. Doch dann erblickte ich den Strand drüben am Dorfrand.

Drin lief immer noch das Radio.

„Bitte bewahren sie die Ruhe. Es bestand zu keiner Zeit Gefahr für die Bevölkerung und die Behörden haben alles unter Kontrolle. Die Experten glauben, dass die aussergewöhnlichen Ereignisse der letzten Nacht auf ein Wetterphänomen zurückzuführen ist….“

Der Flugzeuglärm verschluckte die letzten Worte. Ein Verkehrsflugzeug der Swiss donnerte über die Dächer des Dorfes. Ich konnte sogar die Gesichter der Menschen hinter den Scheiben erkennen. Sie wirkten alle verstört.

Fortsetzung folgt. Euer Traumperlentaucher

Dicke Luft

„Wir kommen jetzt in eine Gegend mit schwerer Luft“, meinte der Gesichtslose, nachdem wir eine Weile auf dem Uferweg marschiert waren.

Ich zuckte die Schultern. Das spielte keine Rolle, in diesem Traum war sowieso alles verkehrt. Wir befanden uns am falschen Flussufer, der Pfad entfernte sich immer mehr vom Fluss und führte landeinwärts und der Gesichtslose antwortete nie auf meine konkreten Fragen. Und um das Mass voll zu machen: Ich konnte nicht aufwachen. Immer wenn ich es versuchte, begann der Traum wieder von vorne.

„Bald werden wir schwimmen müssen“, bemerkte mein gesichtsloser Begleiter.

„Schwimmen? Durch den Fluss? Dabei entfernen wir uns von ihm immer weiter!“

Er hüstelte. „Nein, schwimmen in der Luft. Denn wir werden leichter sein als sie.“

„Leichter! Aber dann steigen wir ja in die Höhe wie Luftballons!“

Kaum hatte ich das gesagt, spürte ich keinen Boden mehr unter den Füßen. Die Luft schmeckte plötzlich bittersüß und die Sicht wurde massiv schlechter. Wirbel und Schlieren durchzogen die Luft.

„Du musst schwimmen“, rief mir der Gesichtslose zu. Seine Stimme klang eigenartig hell und verzerrt. Ich strampelte mit den Beinen und machte mit den Armen Schwimmbewegungen. Aber es half nichts. Ich driftete langsam in die Höhe. Ein Fisch mit dicken Lippen kam mir entgegen und sonderte eine Sprechblase ab.

„Es ist ganz einfach“, hörte ich den Gesichtslosen aus weiter Ferne. Ich verrenkte mir den Hals um ihn zu entdecken. War etwa dieser kleine weisse Punkt …? Ich erschrak, als ich realisierte wie hoch ich inzwischen über dem Flussufer schwebte.

Vielleicht sollte ich einfach nichts tun, mich treiben lassen. Der Traum würde dann schon irgendwann aufhören und ich mich im Bett wiederfinden.

Eine Pflanzeninsel schwebte vorüber. Ein kleines Stück Dschungel, aus dem Lianen hingen. Dazwischen spielten Fische Fußball. In diesem Augenblick hörte ich hinter mir eine Hupe. Doch ich schaffte es nicht, mich in der Luft umzudrehen. Ich konnte mich ja nirgends abstützen.

„Mach Platz, du Irrläufer“, rief eine Stimme, und dann überholte mich ein Berg.

Nein, ein Haus, korrigierte ich mich, als das Gebilde weiterzog. Der Hausherr stand auf der Veranda der alten Holzhütte und kam mir vor wie Noah auf der Arche.

„Das ist das pure Chaos“, murmelte ich zu mir selbst.

„Nein, bloß dicke Luft“, sagte der Gesichtslose neben mir. Er packte mich mit seiner Rechten am Ärmel und ruderte mit der Linken. Langsam näherten wir uns der Pflanzeninsel.

„Wir müssen da landen“, er deutete mit der linken Fußspitze auf den Dschungel unter uns. Kaum gesagt begannen wir zu fallen. Der Dschungel wurde immer größer und löste sich in einzelne Bäume auf. Doch ehe wir durch das Blätterdach stürzten, wachte ich auf. Doch etwas stimmte nicht. Wir hatten einen Stromausfall und draußen rauschte das Meer.

Fortsetzung folgt

Müssen Träume immer Sinn machen? Euer Traumperlentaucher

Im Tempel eines Pastafari

Armin ist kein religiöser Mensch, aber trotzdem Mitglied einer Sekte. Er ist nämlich Pastafari. Bobby Henderson ist sein Prophet und er glaubt daran, dass die Welt vom fliegenden Spaghettimonster erschaffen wurde. Gestern Freitag, dem allwöchentlichen Feiertag der Pastafari, traf ich ihn in seinem Bastelkeller, den er spasseshalber Tempel nennt.

Natürlich glaubt Armin nicht an den Biervulkan und die Strippermanufaktur, wie es seriöse Pastafari tun, auch nicht daran, dass das Spaghettimonster Hinweise auf die Evolution auf unserem Planeten gestreut hat um die Menschen zu verwirren, er ist eben ein halbbatziger Konvertit.

Im Gegensatz zu ihm, bin ich Agnostiker. Das heisst, ich glaube nichts, weder an Gott noch an den Teufel und auch nicht an das Spaghettimonster. Trotzdem bestreite ich nicht die Möglichkeit, dass Götter existieren könnten. Ich weiss es einfach nicht.

„Du hast dir bloss die bequemste Lehre ausgesucht, wie ein fauler Student“, meinte Armin dazu.

„Nein, im Gegenteil, es ist die unbequemste Lebensphilosophie“, hielt ich ihm entgegen. „Es bedeutet nämlich, mit der Ungewissheit zu leben und immer auf der Suche zu sein. Im Gegensatz dazu ist es viel einfacher zu glauben. Möglichst an eine Religion, die dir genau vorschreibt, wie du zu leben hast.“

„Wir Pastafari haben keine Vorschriften“, erklärte er stolz.

„Doch , doch, ihr kennt sogar die Fastenzeit, den Ramendan, in der ihr euch nur von Ramen, einer japanischen Nudelsuppe ernährt. Und ihr müsst euch an Halloween als Piraten verkleiden, jeden Satz mit „Arrrg“ beenden und benutzt ausschliesslich Grog um andere zu bekehren.“

„Das stimmt nicht, ich benutze vorwiegend Weisswein und meinen Selbstgebrannten.“

„Du meinst wohl deinen Fusel. Apropos, hast du hier im Tempel nicht zufällig eine Flasche davon?“

Er kramte in seinem Werkzeugschrank, den er „Schrein“ nannte, und förderte tatsächlich eine neutral wirkende Flasche zu Tage.

„Wir Agnostiker sind die einzigen ehrlichen Menschen auf der Welt“, plagierte ich, nachdem der Pegelstand der Flasche auf fünfzig Prozent gesunken und der Pegelstand in unserem Blut um mindestens ein Promille gestiegen war. „Wir sagen nämlich nicht „ich glaube“, wir sagen einfach „es könnte sein“. Ja, es könnte sogar sein, dass alle Recht haben, dass jeder seinen Gott findet, wenn er den Löffel…äh die Flasche abgegeben hat. Natürlich werden die Atheisten nichts finden, da sie an nichts glauben.“

„Ihr seid Spekulanten. Da ziehe ich die Atheisten vor. Sie wissen, dass es nichts gibt und flüchten sich nicht in Träume voll falscher Hoffnungen.“

„Sie wissen es nicht, sie glauben es bloss. In diesem Sinne ist Atheismus nichts anderes als eine Religion. Ihr Gott ist das Nichts, Darwin ist der Prophet und ihr Dogma die Wissenschaft. Doch im Grunde ihres Herzens tragen sie ein winziges verhutzeltes Lichtlein, das Hoffnung heisst.“

„Genauso wie du“, meinte er und nahm noch einen kräftigen Schluck aus der Flasche. „Niemand lebt ganz ohne Hoffnung. Sie stirbt zuletzt.“

Ein interessanter Aspekt. Doch worauf ich hoffen soll, ist mir nach wie vor unklar. Auf Harfenspiel und Hosianna? Dann doch lieber auf den Biervulkan und die Strippermanufaktur.

Ein verträumtes Wochenende. Euer Traumperlentaucher.

Fremd im Kopf

Es gibt Menschen die haben kein Zuhause. Sie haben es nie gefunden oder haben es verloren. Und es gibt Menschen, die haben zwar ein Zuhause, doch sind sie dort nicht daheim. Manche unter ihnen halten sich für moderne Nomaden, doch richtige Nomaden haben ihr Zuhause unter dem Himmelszelt und leben nicht in Hotelzimmern.

Doch die meisten von uns haben ein Zuhause und fühlen sich dort daheim. Ganz anders in unseren Träumen. Dort sind wir alle Nomaden.

Wir ziehen vom einen Traum zum anderen, manchmal nahe der Wirklichkeit, manchmal fern wie auf einem anderen Stern.

„Logisch“, werden einige sagen, denn unser Zuhause ist die Wirklichkeit, Träume spielen in einer anderen Welt. Eine, die es nur in unseren Köpfen gibt.

Doch müssten wir nicht gerade hier zuhause sein? Müsste unser Geist nicht in unserem Kopf zuhause sein? Wieso scheinen uns manche Träume so fremd, wenn sie doch in unserem Kopf stattfinden?

Vielleicht ist es so, dass wir uns selber fremd sind. Wer weiss schon, wer er wirklich ist? Oder gar, wer er gewesen ist oder sein wird?

Ich wünsche euch ein gutes Zuhause. Euer Traumperlentaucher